Endlich! Der offizielle Preisbarometer ist da!

Nun gut, die­ses zufäl­lig her­aus­ge­grif­fe­ne Bei­spiel ist natür­lich nicht reprä­sen­ta­tiv für die Nütz­lich­keit des Preis­ba­ro­me­ters. Selbst­ver­ständ­lich betref­fen die meis­ten Ver­glei­che Pro­duk­te, die nicht nur bei Coop, son­dern zudem bei wei­te­ren inlän­di­schen und vor allem auch aus­län­di­schen Anbie­tern erhält­lich sind. Da die Platt­form noch etwas lang­sam ist, wol­len wir aber nicht nach reprä­sen­ta­ti­ve­ren Bei­spie­len suchen. Die Funk­ti­ons­wei­se des Baro­me­ters lässt sich mit gewis­sen ergän­zen­den Annah­men auch an die­ser Mahl­zeit mit Lachs und Reis (1 Por­ti­on) des Namens “Fleu­ry Michon Sau­mon à l’o­seil­le” erläu­tern:

Wäre die­ses Pro­dukt im August die­ses Jah­res näm­lich in der Tat auch bei ande­ren Anbie­tern im In- und Aus­land erhält­lich gewe­sen, dann hät­te der Baro­me­ter die damals gül­ti­gen Prei­se zu den damals vor­herr­schen­den Wech­sel­kur­sen in Schwei­zer­fran­ken umge­rech­net und davon scho­nungs­los eine Rang­lis­te vom bil­ligs­ten (1. Rang) zum teu­ers­ten Anbie­ter (letz­ter Rang) erstellt. Damit kön­nen die Kun­den, die Fleu­ry Michon Sau­mon à l’o­seil­le sei­ner­zeit nicht beim bil­ligs­ten Anbie­ter gekauft haben (bzw. ggf. hät­ten) leicht ermit­teln, wie viel Geld sie durch ihren unüber­leg­ten Kauf beim zweit- oder gar dritt­bil­ligs­ten oder bei noch teu­re­ren Anbie­tern ver­lo­ren haben (bzw. ggf. hät­ten).

Die­se Rang­lis­ten sol­len im Halb­jah­res­rhyth­mus aktua­li­siert wer­den. Dies wird den Kun­den erlau­ben, jeweils für die betref­fen­den Stich­ta­ge ihre ent­spre­chen­den Ver­lus­te nach­zu­kal­ku­lie­ren (sofern sie an den betref­fen­den Tagen ent­spre­chen­de Trans­ak­tio­nen vor­ge­nom­men haben, ver­steht sich). Kun­den, die damals etwas cle­ve­rer ein­ge­kauft haben, wer­den ent­spre­chend ihre Gewin­ne nach­kal­ku­lie­ren und sich dar­an noch ein­mal erfreu­en kön­nen.

Leicht besser — aber immer noch falsch

Das Bun­des­amt für Ener­gie (BFE) schlägt schein­bar im Rah­men einer Revisi­on der Stromversorgungs­ver­ord­nung (StromVV) zwei Neuerun­gen vor: Eine markt­ge­rech­te Be­rech­nungs­me­thode des Verzin­s­ungs­sat­zes von Netz­inves­titionen sowie eine Ände­rung des öko­no­misch abso­lut unhalt­ba­ren Arti­kels 4. Letz­te­rer schreibt heu­te vor, dass zur Be­stimmung des Strom­prei­ses jeweils der kleine­re Wert von Ge­stehungs­kos­ten und Markt­preis zur Anwen­dung kommt.

Bei der Ver­zin­sung der Net­ze wird ein kras­ser öko­no­mi­scher Feh­ler kor­ri­giert, der auf­grund einer Emp­feh­lung des hel­ve­ti­schen Kom­pe­tenz­zen­trums für Kos­ten- und Preis­fra­gen, näm­lich  der Preis­über­wa­chung (damals unter Lei­tung von Dr. Strahm), began­gen wur­de. Etwas kla­rer noch: Der Preis­über­wa­cher war für den kras­sen Feh­ler zustän­dig, nicht etwa für des­sen Kor­rek­tur. Aber wir wol­len ja nicht nach­tra­gend sein…

Die Bestim­mung des Strom­prei­ses bleibt hin­ge­gen grot­ten­falsch. Wenn es für den nahe­zu per­fekt inter­na­tio­nal han­del­ba­ren Strom einen Markt­preis gibt, dann ist der öko­no­misch rich­ti­ge Prei­se eben der Markt­preis (Oppor­tu­ni­täts­kos­ten).

SV Group bringt Tatbeweis, über eine marktbeherrschende Stellung zu verfügen

Das Schnitzel im Mittagsmenü schrumpft

Die gröss­te Kan­ti­nen­be­trei­be­rin der Schweiz will die Fleisch­por­tio­nen um 20 Gramm ver­klei­nern – dem Kli­ma zulie­be. Ein­mal in der Woche soll das Menü 1 sogar gänz­lich vege­ta­risch sein. Lesen Sie wei­ter in der bazon­line, was die SV Group ihren Kun­den sonst noch auf­zwin­gen will.

So muss man sich also das unab­hän­gi­ge Ver­hal­ten eines markt­be­herr­schen­den Unter­neh­mens gemäss Art. 4 Abs. 2 Kar­tell­ge­setz vor­stel­len, oder nicht? Laut dem Wett­be­werbs­spe­zia­lis­ten und frü­he­ren Prä­si­den­ten der Mono­pol­kom­mis­si­on Pro­fes­sor Carl Chris­ti­an von Weiz­sä­cker ist Wett­be­werb ein Sys­tem des Zwangs für die Anbie­ter und der grösst­mög­li­chen Frei­heit für die Kun­den. Die SV Group probt offen­bar den Zwang für ihre Kun­den und die Frei­heit für sich sel­ber.

Der Schuss könn­te aber nach hin­ten los­ge­hen: Wenn die SV Group nicht wirk­lich markt­be­herr­schend ist, wer­den die Fleisch­esser bru­tal von ihrer Frei­heit Gebrauch machen. Und wenn sie effek­tiv markt­be­herr­schend sein soll­te, dann wird sie frü­her oder spä­ter die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on und den Preis­über­wa­cher am Hals haben. Nur vom Kon­su­men­ten­schutz hat die SV Group so oder so nichts zu befürch­ten, denn Frau Stal­der und ihre Leu­te sind auch der Auf­fas­sung, dass ihre Schütz­lin­ge weni­ger Fleisch, weni­ger Fett, weni­ger Salz — ja über­haupt weni­ger — essen soll­ten.