Unrealistische Normen lassen Achtung vor Recht und Gesetz schwinden

So wer­den hier­zu­lan­de seit gerau­mer Zeit Nor­men gesetzt, ohne sich durch die Rea­li­tät all­zu sehr irri­tie­ren zu las­sen. Für Rea­lis­ten ver­stö­rend ist etwa die Ener­gie­wen­de, auf die unse­re Poli­tik mit Bun­des­rä­tin Doris Leu­thard so rasant ein­ge­schwenkt ist (…). Da war der öffent­li­che – und vor allem: ver­öf­fent­lich­te – Wunsch nach dem Atom­aus­stieg Vater des staat­li­chen Han­delns, bevor die Rea­li­sier­bar­keit auch nur annä­hernd über­prüft wur­de. Die sich nun abzeich­nen­den Hin­der­nis­se auf dem nach wie vor nicht klar erkenn­ba­ren Weg dazu las­sen erah­nen, welch gran­dio­se Schwie­rig­kei­ten man sich mit die­sem über­stürz­ten Ent­scheid ein­ge­han­delt hat. Fast gleich gestrickt sind Bei­spie­le wie die ver­fas­sungs­recht­lich fest­ge­leg­te, aber bei wei­tem nicht rea­li­sier­ba­re Beschrän­kung des Alpen-Tran­sit­ver­kehrs auf der Stras­se. (…). Das Ver­hee­rends­te an die­ser Nor­men­set­zung nach dem Prin­zip Hoff­nung ist aber nicht ein­mal, dass die gesetz­ten Zie­le gar nicht erreicht wer­den kön­nen. Son­dern, dass damit die Ach­tung vor Recht und Gesetz gene­rell schwin­det. Wenn ich ohne­hin ein ten­den­zi­el­ler Geset­zes­bre­cher bin, was soll ich mich noch um des­sen Ein­hal­tung bemü­hen?”

Aus­zug aus Gott­lieb F. Höpli, Geset­ze fern­ab des Mög­li­chen brin­gen nur Schwie­rig­kei­ten – die von Bun­des­rä­tin Leu­thard beschlos­se­ne Ener­gie­wen­de ist für Rea­lis­ten ver­stö­rend, NZZ am Sonn­tag, 21. Okto­ber 2012, S. 18.