Mail an Jonas Projer zur ARENA “Super-GAU für die Energiewende?” vom 13. März 2015

ProjerSehr geehr­ter Herr Pro­jer

Sie machen aus mei­ner Sicht  in (fast) aller Regel einen guten Job in der Are­na.

Bei der Aus­füh­rung vom letz­ten Frei­tag ist aber der sehr gute Titel zu kurz gekom­men:  Es wur­de in ers­ter Linie hin­ter­fragt, ob die hoch­kan­ti­ge Ableh­nung der Ener­gie­steu­er­initia­ti­ve Teil 2 der aktu­el­len Ener­gie­po­li­tik oder der Ener­gie­stra­te­gie 2050, näm­lich den Über­gang von der För­de­rung zur Len­kung, gefähr­de.
Wie Sie inzwi­schen  auch den zahl­rei­chen Online­kom­men­ta­ren ent­neh­men kön­nen, ist nicht die­se Fra­ge von gröss­tem Inter­es­se, son­dern die Fra­ge, ob die­ses Nein das Aus für die Ener­gie­stra­te­gie 2050 (egal ob mit  För­de­rung oder Len­kung) bedeu­te – eben genau so, wie Sie es im Titel haben.

Die­ses Nein signa­li­siert, dass über kurz oder lang  jeg­li­che Abstim­mung zur Ener­gie­stra­te­gie 2050 bach­ab geschickt wer­den dürf­te. Egal, ob die gan­ze Stra­te­gie oder nur ein bestimm­tes Mass­nah­men­pa­ket zur Wahl steht. Die Ener­gie­po­li­tik von Frau Leu­thard ist am Ende. Rös­ti ver­such­te mehr­mals – aller­dings ohne Erfolg – auf die grund­sätz­li­chen Fra­gen zu kom­men. Frau Rühl und Eco­no­mie­su­is­se ins­ge­samt ver­hal­ten sich in die­ser Hin­sicht zu vor­sich­tig und zu oppor­tu­nis­tisch. (Man kann Len­kungs­ab­ga­ben zur Inter­na­li­sie­rung exter­ner Effek­te befür­wor­ten, das ist kein Pro­blem. Aber Len­kungs­ab­ga­ben als Instru­men­te zu einer fak­ti­schen Ratio­nie­rung haben nichts mehr mit öko­no­misch effi­zi­en­ten Mass­nah­men zu tun, son­dern füh­ren genau­so in inef­fi­zi­en­te Eck­lö­sun­gen wie direk­te Ratio­nie­rung. Die­ses Feld hät­ten Sie nicht Nuss­bau­mer und Mül­ler-Alter­matt über­las­sen sol­len, die davon offen­sicht­lich kei­ne Ahnung haben oder absicht­lich Fehl­in­for­ma­tio­nen ver­brei­ten. War­um haben Sie kei­nen Öko­no­men bei­gezo­gen?)

Die Pro­po­nen­ten der Ener­gie­stra­te­gie 2050 ver­su­chen schon seit län­ge­rem, der Fra­ge Ja/Nein zur Stra­te­gie dadurch aus­zu­wei­chen, dass sie die Dis­kus­si­on immer in die Rich­tung der Mass­nah­men len­ken. Lei­der haben Sie, Herr Pro­jer, hier auch kei­ne Wen­de hin­ge­kriegt.
Die Skep­ti­ker der aktu­el­len Ener­gie­po­li­tik zei­gen auf, dass die Ener­gie­stra­te­gie 2050 schon allein tech­nisch-öko­no­misch nicht zu trag­ba­ren Kos­ten (inkl. sys­te­mi­sche und exter­ne Zusatz­kos­ten sowie volks­wirt­schaft­li­che Fol­ge-Zusatz­kos­ten) mach­bar ist. Das wird insti­tu­tio­nell zur Fol­ge haben, dass ent­we­der die För­der­mass­nah­men oder die Len­kungs­mass­nah­men (bzw. deren not­wen­di­ge Erhö­hung) vom Volk frü­her oder spä­ter abge­lehnt wer­den. Es wird ein enor­mer Scher­ben­hau­fen von fehl­ge­lei­te­ten Inves­ti­tio­nen (irrever­si­ble Kos­ten und Schä­den) übrig­blei­ben. Aus die­sem Grund for­dern wir, die gan­ze Ener­gie­stra­te­gie 2050 zu stop­pen und neu zu reflek­tie­ren. Die Befür­wor­ter müs­sen zuerst die Mach­bar­keit ihrer Poli­tik plau­si­bel dar­le­gen. Bit­te lesen Sie dazu unse­re Stu­di­en und Begleit­pa­pie­re, die Sie hier fin­den:

http://www.iwsb.ch/publikationen/studien.html
http://industrieoekonomie.ch/wp-content/uploads/2015/01/Energiestrategie-2050_Flyer.pdf

Als Stimm­bür­ger möch­te ich schliess­lich noch dar­auf hin­wei­sen, dass die arro­gan­te und dif­fa­mie­ren­de Grin­se­rei und Kopf­schütt­le­rei von Nuss­bau­mer, Gros­sen und Mül­ler-Alter­matt dem sach­li­chen und freund­li­chen Rös­ti sicher gehol­fen und nicht gescha­det hat.

Mit bes­ten Grüs­sen, Mar­kus Sau­rer

5 Comments

by | 14. März 2015 · 22:08

5 Responses to Mail an Jonas Projer zur ARENA “Super-GAU für die Energiewende?” vom 13. März 2015

  1. Meyer Gerhard

    es ist zeit auch mal mal laut dar­über nach­zu­den­ken ob die CO 2 Abga­ben nicht eine Geld­ein­nah­me­quel­le ist die der Umwelt nicht bringt? CO 2 Lüge ?

  2. Nieth Robert

    Mei­ner­seits möch­te ich die ein­sei­ti­ge Zusam­men­set­zung der Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer bean­stan­den — ver­mut­lich vom Ober­auf­se­her de Weck so gewollt und nicht zum ers­ten Mal. Albert Rös­ti war auf wei­ter Flur allein. Sei­ne Part­ne­rin Moni­ka Rühl war zu schwach und zu zag­haft. Von der FDP war nie­mand zuge­gen, nicht ein­mal in der zwei­ten Rei­he. So hat­te sich Rös­ti allein stän­dig gegen 6 Geg­ner zu ver­tei­di­gen — ein unfai­rer Kampf. Wenn er mit ruhi­ger Stim­me etwas erklä­ren woll­te, wur­de ihm von Regu­la Rytz mit schril­ler Stim­me und stän­di­gem Kopf­ni­cken über den Mund gefah­ren. Zum blö­den Grin­sen von Mül­ler-Alter­matt, Nuss­bau­mes und Gros­sen möch­te ich noch Hans Grun­der bei­fü­gen. Sein hin­ter­häl­ti­ges Grin­sen könn­te einem den letz­ten Nerv aus­reis­sen.

  3. Werner Vogel

    Mit der Kli­ma­lü­ge kann man Geld, Anse­hen und sogar Nobel­prei­se erhal­ten wie Al Gore beweist. Die Poli­ti­ker fan­gen mit Schum­me­lei­en an und dann wächst das zu einem selbst­läu­fe­ri­schen Lügen­ge­bil­de her­an. Es ent­ste­hen welt­um­span­nen­de Orga­ni­sa­tio­nen die nur schwer einer Lüge bezich­tigt wer­den kön­nen. Die Ego­trips unse­rer Bun­des­rä­te wer­den so unter Schutz gestellt.

  4. Genau. Aber der Schutz brö­ckelt jetzt… der Lackt geht ab. Dafür sor­gen wir auch.

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